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Bayerischer Fernsehpreis 2010

Ehrenpreis für Klaus Doldinger / Zeil: „Klaus Doldinger hat epochale Film- und Fernsehmusiken geschrieben“

 

Zeil verleiht Bayerischen Fernsehpreis 2010

 

>> Bericht von Alex im Podcast

>>Fotos von Helmut Kunz

 

Stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Zeil hat heute im Rahmen einer von SAT.1 gestalteten Fernseh-Gala im Münchner Prinzregententheater den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten dem Künstler Klaus Doldinger für seine herausragenden musikalischen Verdienste für das deutsche Fernsehen und sein Lebenswerk überreicht. In der Laudatio würdigte Zeil Klaus Doldinger als Jazzmusiker von Weltrang und begnadeten Filmmusikkomponisten. „Bei aller Kunstfertigkeit, Virtuosität und Innovationsfreude im Jazz hatte Doldinger immer auch den Anspruch des Entertainments", betonte Zeil. Der Stellvertretende Ministerpräsident bezeichnete Klaus Doldinger als faszinierende Persönlichkeit, die auch in jedem seiner Stücke stecke. „Seine Film- und Fernsehmusiken sind epochal: Emotional, international, unterhaltend und auf den Punkt gebracht." sagte Zeil.
Den „Blauen Panther", das Symbol des Bayerischen Fernsehpreises, erhalten neben Klaus Doldinger weitere Preisträger aus allen Fernsehsparten.

Nachfolgend die Namen der Preisträger mit den Begründungen der Jury:

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten an KLAUS DOLDINGER für sein Lebenswerk
Begründung der Jury:
Klaus Doldinger ist ein herausragender Musiker und Komponist. Sein breit gefächertes Wirken, sein kontinuierliches und qualitätsvolles Schaffen sowie seine Persönlichkeit machen ihn zu einem der ganz großen Künstler. Das Leben von Klaus Doldinger ist Musik. Als Jazzmusiker hat er mit seiner Band Passport internationale Erfolge errungen, mit seinen überragenden Kompositionen für Fernsehen und Film hat er einzigartige Melodien geschaffen, die zum deutschen Kulturgut geworden sind: Jeder kennt die Titelmusik für den „Tatort" oder die Filmmusik für „Das Boot". Seine unglaubliche Schaffenskraft brachte insgesamt etwa 2000 Kompositionen hervor, von denen eine Vielzahl dem Fernsehen gewidmet ist. Seine Musik verschmilzt geradezu mit dem bewegten Bild und weckt die Emotionen: Sie führt zu Herzklopfen und Glücksgefühl, weckt Krimi-Gänsehaut und lässt - wenn nötig - schaudern.
Für sein Lebenswerk gebührt ihm der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
Sonderpreis dotiert mit 20.000 Euro an TILL ENDEMANN für die Regie von „Flug in die Nacht - Das Unglück von Überlingen" (ARD)
Begründung der Jury:
2002 erschütterte der Zusammenstoß eines russischen Passagierflugzeugs mit einer Frachtmaschine im Luftraum über Überlingen am Bodensee die Öffentlichkeit. 71 Menschen verloren ihr Leben. Eineinhalb Jahre später wurde der während des Flugzeugunglücks diensthabende Lotse von einem Angehörigen, dessen Familie bei dem Unglück umkam, ermordet. Diese doppelte Tragödie verfilmte der Regisseur und Autor Till Endemann mit „Flug in die Nacht - Das Unglück von Überlingen" mit Feingefühl und Respekt für die Opfer. Der Film erzählt auf zurückhaltende und gerade deshalb umso ergreifendere Weise von Verantwortung, Schuld und dem Wunsch nach Vergebung. Die schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles - allen voran Ken Duken und Sophie von Kessel - überzeugt durch ein überaus differenziertes Spiel mit beeindruckender Intensität. Besonders hervorzuheben ist auch die Leistung des Cutters Benjamin Fueter, dem es durch geschickte Montage gelingt, dem Film eine ungeheure Spannung und Intensität zu verleihen.
„Flug in die Nacht - Das Unglück von Überlingen" überzeugt die Jury in seiner Gesamtleistung und erhält aus diesem Grund den Sonderpreis des Bayerischen Fernsehpreises 2010.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
Nachwuchsförderpreis der LfA Förderbank Bayern dotiert mit 10.000 Euro an NINA GUMMICH für „Allein unter Schülern" (SAT.1)
Begründung der Jury:
In „Allein unter Schülern" steht Nina Gummich als die mittlere von drei Töchtern eines Ex-Offiziers und Neu-Lehrers, gespielt von Hannes Jaenicke, im Mittelpunkt: sie liebt verzweifelt, rebelliert wütend, feiert genussvoll. Mit großer Wahrhaftigkeit in den dramatischen Momenten sowie einem angeborenen Gespür für Timing zeigt sie ihre Stärken immer wieder gerade in den Szenen, in denen ihre Figur mit ihren Schwächen kämpft. Sie schafft es dabei, auch erfahrenen Kollegen (schau-)spielerisch die Stirn zu bieten. Und wenn sie am Ende des Filmes wie eine Rachegöttin quer durch eine Turnhalle läuft, um die Geschichte zu einem guten Ende zu bringen, dann ahnt man, welch große Karriere Nina Gummich vor sich hat.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an JÖRG WONTORRA für „Doppelpass" (SPORT1) dotiert mit 10.000 €
Begründung der Jury:
Am Sonntagmorgen um 11.00 Uhr ist Anpfiff, dann sind die Fußballfans vor dem Bildschirm zur Stelle: Es ist Zeit für den „Doppelpass", den Stammtisch des Deutschen Sportfernsehens (DSF, jetzt SPORT1). Wenn Jörg Wontorra, der Moderator dieser Talkrunde der besonderen Art, einlädt, dann kommen alle, die zum Thema Fußball etwas zu sagen haben, aktive Spieler und alte Heroen, Trainer und Funktionäre und ein immer begeistertes Publikum in der zum Studio umfunktionierten Hotelhalle - und natürlich die Zuschauer. Und Wontorra weiß das Gespräch zu führen, mit Vorstößen provozierend, wenn es einmal langweilig zu werden droht, beruhigend, wenn verbale Fouls überhand nehmen, mit kundigen Einwürfen immer wieder neuen Diskussionsstoff liefernd. Für seine persönliche, spannende und unverwechselbare „Doppelpass"-Moderation erhält Jörg Wontorra den Bayerischen Fernsehpreis 2010.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an PETER MEZGER für
Auslandsberichterstattung aus dem Iran (BR/ARD) dotiert mit 10.000 Euro
Begründung der Jury:
Peter Mezger vom Bayerischen Rundfunk gehört seit langem zu den herausragenden Köpfen der Auslandsberichterstattung der ARD. Ein Meisterstück seiner journalistischen Arbeit liefert er seit drei Jahren aus dem Iran, wo er unter schwierigsten Bedingungen das ARD-Studio Teheran aufgebaut hat und von dem aus er seitdem eine umfassende und fundierte Berichterstattung gewährleistet. Mit großer Sachkenntnis, mit dem klaren Blick für die Realitäten und mit hohem persönlichen Mut - über viele Monate war er der einzige europäische Journalist, der aus dem Iran berichtet hat - versorgt er die Zuschauer in Deutschland mit den Nachrichten, Bildern und Einschätzungen, die für eine seriöse Information und eine begründete eigene Meinungsbildung notwendig sind. Für diese journalistische Spitzenleistung, die sich aus einer Fülle einzelner Beiträge zusammensetzt, erhält Peter Mezger den Bayerischen Fernsehpreis 2010.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an DÜZEN TEKKAL und JAN RASMUS für „Extra Spezial: Angst vor den neuen Nachbarn" (RTL)
dotiert mit insgesamt 10.000 Euro
Begründung der Jury:
Das Thema Integration beschäftigt die Gesellschaft. Wird Integration klappen? Am Beispiel des ehemaligen Bonner Regierungs-Wohnviertels, wohl situiert, einer vermeintlich guten Gegend, verdeutlichen die Autoren Düzen Tekkal und Jan Rasmus, woran Integration von Ausländern in Deutschland zu scheitern droht. Gewalt und Kriminalität junger Migranten auf der einen Seite, verängstigte alteingesessene Bad Godesberger, Geschäftsinhaber und Berufstätige in der Innenstadt auf der anderen Seite - ungeschminkt und unhysterisch zeigen Tekkal und Rasmus die Angst, aber auch die extremen Unterschiede von Lebensgestaltung. Wenn am Ende des Beitrags sowohl Opfer als auch Täter miteinander in ein Gespräch kommen, keimt die kleine Hoffnung auf, dass Dialog der erste Schritt hin zu einem Miteinander, zu echter Integration werden könnte. Denn die jugendlichen Migranten fühlen sich als Außenseiter, sind zum Teil bereits Intensivstraftäter mit mehreren Jahren Gefängnis hinter sich. Sie selbst haben nichts in einer Region, in der viele Villen der Einheimischen von Wohlstand zeugen. Zwei Welten stoßen aufeinander. Düzen Tekkal, die selbst kurdische Wurzeln hat, und Jan Rasmus geben eine alarmierende Bestandsaufnahme und appellieren zugleich, Integration zu leben, durch Bildung, durch Kommunikation, durch Perspektiven für alle in einer Gesellschaft in Deutschland, in der in Zukunft jedes dritte Kind einen Migrationshintergrund haben wird. Die Reportage ist Qualitätsjournalismus par excellence.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an NIKI STEIN für Buch und Regie von „Bis nichts mehr bleibt" (ARD/SWR)
dotiert mit 10.000 Euro
Begründung der Jury:
Es ist eine der vornehmsten Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, brennende Themen aufzugreifen und dringende Diskussionen anzustoßen; erst recht, wenn die Gesellschaft mit ihnen nicht zurecht kommt, oder sie tabuisiert - oder gar die Gerichte der Republik ohnmächtig sind. Niki Stein ist nicht nur der Erste, der sich an das heikle Phänomen der Scientology-Gemeinde herangetraut hat, er hat darüber hinaus seinen hochkomplexen Stoff in eine ergreifende menschliche Geschichte umzusetzen vermocht. Der Bayerische Fernsehpreis 2010 geht an Niki Stein als hervorragenden Autor und als einfühlsamen Regisseur, der dieses Stück überzeugend geschrieben und glaubwürdig inszeniert hat.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an CAROLIN HECHT für das Buch „Allein unter Schülern" (SAT.1)
dotiert mit 10.000 €
Begründung der Jury:
Das Drehbuch der Autorin Carolin Hecht zu dem Film „Allein unter Schülern" hat vor allem zwei große Stärken: Realitätsnähe und Menschenkenntnis. In ihrer klugen Fortsetzung des Filmes „Allein unter Töchtern" verbindet Carolin Hecht auf reichhaltigste Weise familiäre Themen, wie sie aktueller nicht sein könnten: Ein alleinerziehender Vater von drei halberwachsenen Töchtern, der dazu noch als Quereinsteiger an deren Schule Lehrer wird und sich in die Direktorin verliebt. Gleichzeitig entgleitet ihm die Mittlere in eine brutale, komasaufende Clique.
Wie kann man heute eigentlich Jugendliche noch sinnvoll leiten und erziehen? Das ist die ernste Frage dieser Komödie, deren Grundkonstellation noch auf eine sehr originelle Weise auf die Spitze getrieben wird. Denn der Vater ist nicht nur einfach ein Vater. Er ist auch noch kriegsgestählter Ex-Offizier, wunderbar verkörpert von Hannes Jaenicke, der lernen muss, dass er weder seine Töchter, noch seine Schüler mit dem ihm eigenen Kommisston erreichen kann, was die besondere Komik des Films ausmacht. Doch nie verliert dieses Buch die Balance zwischen relevantem Erzählstil und humorvoller Unterhaltung.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an MARKUS SCHMIDT-MÄRKL als Produzent für „Dahoam is dahoam" (BR)
dotiert mit 10.000 Euro
Begründung der Jury:
„Dahoam is Dahoam" ist eine regionale tägliche Serie, die seit Herbst 2007 im Bayerischen Fernsehen mit mittlerweile 600 Folgen und großem Erfolg ausgestrahlt wird.
Die Serie spielt im fiktiven oberbayerischen Ort Lansing und handelt von den Erlebnissen der Einheimischen. Sie schöpft aus dem großen Repertoire bayerischer Volksschauspieler. Sie ist die einzige deutsche tägliche Serie, in der bayerischer Dialekt gesprochen wird und bayerisches Lebensgefühl im Mittelpunkt der Handlung steht.
Markus Schmidt-Märkl erhält auch stellvertretend für sein Team die Auszeichnung für die Entwicklung des Formats und der Produktionslogistik sowie für die Durchführung der Produktion.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an STEFAN RAAB als Initiator und Jurypräsident für „Unser Star für Oslo" (ProSieben/ARD)
dotiert mit 10.000 Euro
Begründung der Jury:
In der Castingshow „Unser Star für Oslo" wurde der deutsche Kandidat für den diesjährigen internationalen Gesangswettbewerb „Eurovision Song Contest" gesucht. Aus insgesamt 4500 Bewerbungen wurden 20 Interpreten ausgewählt, die in 8 Live-Shows gegeneinander antraten. Die Show entstand in erstmaliger Zusammenarbeit zwischen einem öffentlich-rechtlichen (ARD) und einem privaten (ProSieben) Sender.
Stefan Raab ist es gelungen, eine Castingshow aus der Taufe zu heben, in der die Kandidaten ernst genommen und von einer überzeugenden und kompetenten Jury respektvoll behandelt wurden. Dabei hat vor allem auch der Jurypräsident Stefan Raab sympathisch und fachkundig agiert.
Mit „Unser Star für Oslo" ist eine Show entstanden, die qualitative Unterhaltung bietet und ein breites Publikum anspricht. Die Show beweist, dass Castingshows mit Niveau funktionieren und - betrachtet man den Weg von Lena Meyer-Landrut und Jennifer Braun - auch Chart- und Plattenerfolge ermöglichen können.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an UTA VON BORRIES und STEPHAN REBELEIN für „37 Grad - Leben auf kleinstem Fuß" (ZDF)
dotiert mit insgesamt 10.000 Euro
Begründung der Jury:
Die ZDF-Dokumentation aus der Reihe "37 Grad - Leben auf kleinstem Fuß" handelt von Kinderarmut in Deutschland, dargestellt am Beispiel einer Familie mit drei Kindern, die durch die Krankheit des Vaters in existentielle soziale Not geraten ist.
Die beiden Autoren, Uta von Borries und Stephan Rebelein, porträtieren glaubhaft und einfühlsam, ohne jegliche Dramatisierung oder Larmoyanz das Leben der drei Kinder an der Armutsgrenze, ihre erschütternden, aber auch hoffnungsvollen Erlebnisse. Bei allen Schwierigkeiten steht die Familie, die auf kleinstem Fuß leben muss, füreinander ein.
Ein bewegender Film über ein Problem, das uns alle angeht.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
an THOMAS KUFUS und VOLKER HEISE für „24h Berlin" (ARTE/RBB)
dotiert mit insgesamt 10.000 €
Begründung der Jury:
24 Stunden aus dem Leben einer Großstadt erzählt in Echtzeit - ein Projekt wie dieses hat es in der Geschichte der Fernsehdokumentation noch nicht gegeben. Der Film beschreibt das Nebeneinander von oben und unten, alt und jung, schräg und bürgerlich. Er zeigt die Simultanität von ziemlich gewöhnlichen Ereignissen, die nichts miteinander zu tun haben, außer dass sie zufällig an ein und demselben Tag in ein und derselben Stadt stattfinden. Doch die filmische Parallelmontage verwandelt die biographischen Splitter am Ende in ein beeindruckendes Mosaik.
Der Produzent Thomas Kufus und der Regisseur Volker Heise haben eine gleichermaßen logistische wie künstlerische Höchstleistung vollbracht: 80 Kamerateams mussten koordiniert, 800 Stunden Filmmaterial sortiert werden. Herausgekommen ist weit mehr als eine der gängigen Dokusoaps. „24h Berlin" gelingt es, aus den Gesichtern einer Stadt das Antlitz einer Metropole zu formen.

 

DER BAYERISCHE FERNSEHPREIS 2010
Nominierungen

Für ihre schauspielerischen Leistungen in den Fernsehfilmen sind nominiert:
Iris Berben
• „Kennedys Hirn" (ARD)
Senta Berger
• „Frau Böhm sagt nein" (WDR/ARD)
Heike Makatsch
• „Dr. Hope - Eine Frau gibt nicht auf" (ZDF)
Götz George
• „Zivilcourage" (ARD)
Matthias Schweighöfer
• „Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben" (ARD)
Herbert Knaup
• „Erntedank" (BR)

Für ihre schauspielerischen Leistungen in den Serien bzw. Reihen sind nominiert:
Maren Eggert
• „Tatort: Borowski und die Sterne" (ARD/NDR)
Annette Frier
• „Danni Lowinski" (SAT.1)
Eva Mattes
• „Tatort: Der Polizistinnenmörder" (ARD/SWR)
Richy Müller
• „Tatort"(ARD/SWR)
Henning Baum
• „Der letzte Bulle" (SAT.1)
Florian Martens
• „Ein starkes Team" (ZDF)



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